Autoreninterview – Anton Dellinger

Kennt ihr schon Anton Dellinger, den Autor des Politthrillers „Gegen die Gier“? Wenn nicht, dann habe ich hier ein kurzes Interview mit ihm, durch das ihr ihn und seinen Debütroman besser kennenlernen könnt.

autor_bildWovon handelt dein erstes Buch „Gegen die Gier“?
Es ist die Geschichte eines leicht gestörten, genialen Forschers, Gottfried Leibner, dessen Entwicklung eines revolutionären Wasserstoffspeichers in Nanokeramik die Weltenenergiefrage lösen könnte, der aber daran gehindert wird. Gottfried hat ein Sucht-Problem, das ihm sein Vater beschert hatte, der ihn mit rauen Methoden zu einem zweiten Leibniz erziehen wollte. Ein Industriemagnat erfährt von der Entdeckung, die die Expansionspläne seines Auto-Konzerns gefährden würde. Gottfried wacht eines Morgens in einer englischen psychiatrischen Klinik auf. Niemand glaubt ihm, er gilt als Geistesgestörter, der sich für Leibniz hält. Erst als die Therapeutin Eliza seine wahre Identität erkennt, beginnt der Kampf gegen einen Gegner, der seine ganze Brutalität erst nach und nach zeigt.

Wie bist du auf die Idee gekommen einen Roman mit diesem Thema zu schreiben?
Als Informatiker habe ich viele Jahre in einem Weltkonzern gearbeitet, kenne also die Welt in einem Großunternehmen etwas. Ich bin aber auch Historiker und hatte mich gerade intensiv mit Leibniz beschäftigt, als meine Frau mir das Schreiben empfahl. Meine erste (abstruse) Plotidee drehte sich um Leibniz, Mandela, Newton und Fidel Castro. Aliens wollten die vier (entführt oder rematerialisiert) zu Argumenten befragen, die dagegen sprächen, dass die Erde als reine Rohstoffquelle betrachtet und komplett von den Menschen befreit würde. Frage nicht, wie die Auswahl zustande kam. Wie gesagt, der Plot war schnell tot, aber Leibniz blieb mir im Kopf. Die Umweltproblematik interessiert mich sehr, meine Frau ist Chemikerin und hat mich auf u.a. Wasserstofftechnik gebracht. In vielen Nachdenk-Runden, um die Insel Niederwerth laufend, entstand die Idee des gestörten Genies, das auf unterschiedliche Weisen mit Leibniz verknüpft ist und gegen einen Konzernboss kämpfen muss, der die Gestörtheit auszunutzen versucht. Der erste Arbeitstitel hieß auch noch „Leibniz 2.0“
Bei Rainer Wekwerth habe ich übrigens an einem Schreibseminar teilgenommen, als das Buch schon stand. Es hat mir eindeutig geholfen, die Figuren zu verbessern.

Hattest du Angst vor den Reaktionen deiner Leser, als du das Buch veröffentlicht hast? Gab es irgendetwas, was dir Kopfzerbrechen bereitet hat?
Natürlich war ich mir unsicher. Angst hatte ich aber nicht mehr, denn meine Testleser hatten mich offen und schonungslos auf viele Mängel hingewiesen. Kopfzerbrechen hat mir z.B. der Schluss der Geschichte gemacht, den ich mindestens drei Monate lang täglich umgeworfen habe. Er war passend, plausibel, spannend – aber er gefiel mir einfach nicht. Wir wissen ja, dass das Hirn im Hintergrund weiterarbeitet. Eines Tages, beim Joggen, war die Endszene auf einmal da – locker, flüssig, viel spannender und gut (wie ich finde). Meine Leser sehen das auch so, soweit ich es aus Feedbacks (Amazon und privat) schließen kann.

Wieso Selfpublishing? Ist dies der richtige Weg für dich, oder würdest du beim nächsten Mal alles anders machen?
Ich habe bei diversen Literaturagenten vergeblich versucht, mein Exposée unterzubringen. Einige spiegelten leichtes Interesse zurück, aber keiner war komplett zufrieden. Mein Exposé wüsste ich heute auch noch zu verbessern. Mit blieb so als Weg nur Selfpublishing. Das nächste Mal werde ich es wieder zuerst über Agentur oder Verlag probieren.

Du hattest vor kurzem eine Lesung, magst du uns davon berichten? Wie hast du dich währenddessen gefühlt? Würdest du es wieder machen?
Die erste Lesung war eine großartige Erfahrung. Früher habe ich oft vor großem Publikum gesprochen, das eigene Buch präsentieren ist aber noch eine andere Herausforderung. Ich war ehrlich aufgeregt, das legte sich aber nach dem ersten Satz. Die Zuhörerschaft war überschaubar und geduldig. Ich habe anfangs zu schnell gelesen, die diesbezüglichen Signale kamen sofort. Das Feedback am Ende war positiv und ich zufrieden. Meine Frau hat mir dann die harten, zum Glück kleinen, Kritikpunkte präsentiert. Die nächste Lesung ist geplant (3.11.2016, 18:00, Vallendar, Restaurant Wüstenhof) und wird mit Sicherheit noch besser.

Arbeitest du bereits am nächsten Projekt?
Während „Gegen die Gier“ lektoriert und feingetunt wurde, habe ich schon mit dem nächsten Manuskript angefangen. Es ist die Geschichte eines elternlosen jungen Rechtsanwalts, der als Kind vor Lampedusa gerettet worden war, und sich in der Gesellschaft des Deutschland im Jahre 2048 behaupten muss. Ein Deutschland, in dem etwa 15 Millionen Flüchtlinge leben, weitgehend rechtlos und arm. Ein Land voller Gegensätze: Wohlstand der Situierten, die sich brutal abgrenzen; Banden, Kriminalität und mittelalterliche Zustände unter dem Rest, der sich ausbeuten lassen muss und ums Überleben kämpft. Der Protagonist stößt schnell an die Mauern der Gesellschaft und gründet eine Bewegung der Armen und Rechtlosen in Deutschland, als der Staat und die Politik mit ihren repressiven Maßnahmen eine Grenze überschreiten. Der Protagonist hat daneben – unverschuldet – einen persönlichen Feind, dessen er sich auch erwehren muss. Die Message des Buches ist versöhnlich. Ich denke, in einem Jahr wird es fertig sein.

Möchtest du vielleicht noch etwas sagen? Ein paar Worte an deine Leser richten?
Ich freue mich über jede(n), die(der) mein Buch liest und mir seine ehrliche Meinung mitteilt. Mir ist klar, dass nicht jeder(m) diese Geschichte gefallen wird. Mir ging es darum, ein hochaktuelles Thema spannend verpackt zu behandeln. Beste Grüße an alle, euer Anton.

 

www.pdf24.org    Send article as PDF   

Kommentar verfassen