Blogtour „Gebrannte Kinder“ – Interview Marissa Frensen

13383970_10208288571564759_1032436203_o

Heute macht die Blogtour zum Thriller „Gebrannte Kinder“ auf meinem Blog halt. Das habe ich zum Anlass genommen mit der Figur Marissa Frensen ein Interview zu führen.

Interview mit Marissa Frensen

Vielen Dank Frau Frensen, dass Sie die Zeit gefunden haben mit mir zu sprechen. Geht es Ihnen denn schon besser? So ein Koma sollte man beim besten Willen nicht auf die leichte Schulter nehmen. Und natürlich mein aufrichtiges Beileid zu Ihrem Verlust.
Vielen Dank. Ja, ich bin wieder vollständig genesen. Es sind inzwischen ja auch viele Monate vergangen.

Können Sie unseren Lesern vielleicht noch mal kurz schildern, wie es zu dem Unfall kam, aufgrund dessen Sie im Koma lagen?
Leider kann ich bis heute nur den offiziellen Berichten glauben, nach denen unser Wagen von der regennassen Straße abkam. Ich erinnere mich daran, dass ich Ralf trotz des schlechten Wetters zu dieser Tour überredet hatte. Ich wollte ihm endlich die Wahrheit gestehen und reinen Tisch machen. Und ich hatte Angst, ihn dadurch zu verlieren. Damit war ich so sehr beschäftigt, dass ich die gefährliche Straßenlage nicht wahrnahm. Das entgegenkommende Fahrzeug, von dem ein Augenzeuge berichtet hat, habe ich nicht gesehen.

Ich weiß noch, wie vergnügt Ralf seinen Lieblingssong laut mitsang. „I want to break free…“. Dann gab er Gas, er liebte das Tempo und war auch eigentlich ein sicherer Fahrer. Ich sehe noch vor mir, wie er mich anlächelt und sagt. „Das nenne ich Leben.“ In dem Augenblick dachte ich, ja, es wird alles gut, er wird mir verzeihen. Mein Mann, den ich über alles liebe. Bis heute.

Im Bericht der Polizei stand, dass Ihr Sohn Gregor Frensen zuvor noch mit dem Wagen gefahren sei. Ihm ist aber nichts passiert, können Sie sich das irgendwie erklären?
Es gab wohl einen Zettel, den Gregor für uns unter den Scheibenwischer geklemmt hatte. Wir sollten vorsichtig fahren und so rasch wie möglich zur Werkstatt.

Was war mit dem Zettel, haben Sie ihn nicht gelesen?
Nein, ich habe keinen Zettel gesehen. Der Regen muss ihn weggespült haben.

Bei vorsichtiger Fahrweise und normaler Wetterlage hätten die Bremsen vermutlich auch bei unserer Tour nicht versagt. Daran trägt niemand die Schuld. Es war einfach Schicksal wie so vieles zuvor auch. Wenn man einmal eine falsche Entscheidung trifft, können die Folgen fatal sein.

Okay, kommen wir zu einem ganz anderen Thema, Ihren Sohn David. Sie haben ihn adoptiert, wie alt war er damals?
Er war gerade mal sechs Jahre alt, als ich ihn im ‚Kloster Zur Gütigen Mutter’ zum ersten Mal besucht habe. Es dauerte aber noch etliche Wochen, bis wir ihn endlich zu uns holen und adoptieren konnten. Schreckliche Wochen. Bei jedem Besuch überlegte ich, ob ich ihn nicht einfach mitnehmen sollte, mit ihm verschwinden sollte, den langen Behördenweg umgehen sollte.

Können Sie uns etwas über seinen Leidensweg erzählen? Aus den Berichten der Polizei wissen wir, dass er auf dem Briecherthof gelebt hat und um diesen Hof ranken sich einige Gerüchte. Unter anderem, dass er ein beliebter Treffpunkt für Pädophile gewesen sei. Stimmt das?
Das sind leider nicht nur Gerüchte. David hat unfassbare Grausamkeiten erlebt. Und ich kann davon nichts ungeschehen machen, ich kann nur jetzt für ihn und andere Kinder da sein, die ähnlich schreckliches erlebt haben.

Was ist David auf diesem Hof widerfahren, können Sie darüber sprechen? Wurde er missbraucht?
Ja, er wurde missbraucht. Nein, ich kann darüber nicht sprechen, nicht über das was meinem Jungen widerfahren ist. Aber ich habe eine Botschaft an alle Mütter und Väter da draußen. Schaut hin, beachtet Anzeichen. Wenn euer Kind sich verändert, wenn es sich in sich zurückzieht, wenn es auf bestimmte Personen seltsam reagiert oder sich vielleicht weigert in den Kindergarten, in die Schule, zu Freunden oder Verwandten zu gehen. Seid auf der Hut. Und geht im Zweifelsfall zu einer Beratungsstelle. Versucht sensibel auf euer Kind einzugehen, ohne ihm Antworten in den Mund zu legen. Je kleiner die Kinder sind, desto leichter sind sie erpressbar und lassen sich auch durch Drohungen beeinflussen. Die Täter können aus der Familie, aus dem direkten Umfeld sein. Und es sind auch oft Autoritätspersonen, die die Kinder auch psychisch so unter Druck setzen, dass sie schweigen. Leidend schweigen.

Verzeihen Sie, wenn ich das alles etwas allgemeiner schildere. Auch übertragen auf alle Kinder auf diesem schrecklichen Briecherthof. Für die Kinder auf diesem Aussiedlerhof war die Lage ja noch weitaus hoffnungsloser. Wie ich jetzt weiß, waren die Betreuer auch zugleich ihre Zuhälter. Die Kinder hatten keine Chance, sie hatten niemanden der ihnen helfen konnte. Sie konnten einfach nur irgendwie überleben.

Dass mein David eines dieser Kinder war, ist für mich bis heute unfassbar. Entschuldigen Sie bitte, aber ich kann darüber wirklich nicht reden. Nicht mit Ihnen. Aber ich kann darüber mit David sprechen. Und das tun wir. Wann immer er es zulässt. Es ist nicht leicht und wird auch nie ganz vorbei sein. Aber wenigstens haben seine Alpträume nachgelassen, seit er sich selbst an alles erinnert. Und er kann sogar anderen Kindern helfen, gleichfalls ihr Trauma zu überwinden. Er ist ein wundervoller, sehr starker junger Mann, trotzdem. Dafür bin ich unendlich dankbar.

Wenn ich das richtig verstanden habe, kam David nach seinem Aufenthalt auf dem Briecherthof ins Kloster „Zur gütigen Mutter“ in Oberbayern. Was ist da passiert? Die Berichte der Kollegin Amato haben ziemlich viel Dreck aufgewirbelt.
Gut, dass Toni Amato diesen Dreck, wie Sie sagen, aufgewirbelt hat. Ich lag ja seinerzeit noch im Koma und kam nur ganz langsam wieder ins Leben zurück.

Das Kloster „Zur Gütigen Mutter“ war auf eine andere Art ein grauenvoller Ort. Ich war sehr oft dort, bis es mir endlich gelang, David da rauszuholen, damit er bei Ralf und mir leben konnte.

Die vorherigen Geschehnisse kenne ich nur aus Davids Schilderungen. Später haben wir versucht, weitere Kinder aus der damaligen Zeit zu finden, um ganz zu verstehen, was sich da abgespielt hat. Wir wissen nur, dass die Kinder in jeder Form psychisch und physisch gequält, erniedrigt schrecklich drangsaliert und unter Druck gesetzt wurden. Die Kinder mussten hungern, wurden geschlagen, mussten in ihren verschmutzten Betten, die sie Nacht für Nacht aus Angst einnässten, schlafen. Sie wurden gezüchtigt ob mit oder ohne Anlass.

Spricht David darüber?
Ja, aber auch nicht über alles. Von Toni Amato, die recht tief recherchiert hat, weiß ich, dass diese furchtbare Nonne Kinder aus dem Briecherthof übernommen hat, die nicht mehr jung und hübsch genug waren, um sie an Freier zu verschachern.

Gab es im Kloster auch sexuelle Übergriffe?
Aus allem, was ich erfahren habe, ging es im Kloster um massive Kindesmisshandlungen anderer Art.

Welche Rolle spielte diese Nonne?
Ich bin nie einer boshafteren Person begegnet als dieser vermeintlich ‚Gütigen Mutter’. Wenn ich nur daran denke, wie sie auch in meinem Beisein den kleinen Angelo, wie er damals hieß, gequält hat. Es hat mir das Herz zerrissen.

Bereuen Sie was Sie getan haben? Dem kleinen Wurm, Ihrem Mann und später auch Gregor? Bereuen Sie ihre Lügen?
Ja, aus tiefstem Herzen. Und ich bitte auch David in Gedanken und Worten jeden Tag um Verzeihung.

Hat er ihnen verziehen?
Ja, das hat er. Ich hingegen kann mir nicht verzeihen. Ich kann meinem Sohn nur beistehen und ihn unterstützen in seiner Arbeit für missbrauchte und misshandelte Kinder. Das tue ich mit allen Mitteln.

Vielen Dank Frau Frensen, dass Sie sich meinen Fragen gestellt haben. Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie für die Zukunft alles Gute.

13335621_10208262114863358_4866105944314368186_nMeine Rezension findest du hier.
Zum eBook geht es hier entlang.

Die weiteren Beiträge der Tour findest du hier

08.06.2016 – Buchvorstellung & Autorin
09.06.2016 – Interview mit Marissa Frensen
10.06.2016 – Wenn Kinder missbraucht werden
11.06.2016 – Ein Leben lang Opfer bleiben?
12.06.2016 – Rolle der Medien

Gewinnspiel

Für das Gewinnspiel markieren wir Buchstaben unseren Beiträgen. Die Lösung bitte mit dem Betreff “ Gebrannte Kinder“ an info@buchreisender.de

Teilnahmebedingungen für das Gewinnspiel:
Die Teilnahme an dem Gewinnspiel ist ab einem Alter von 18 Jahren möglich. Falls Du unter 18 Jahre alt sein solltest, ist eine Teilnahme nur mit Erlaubnis des Erziehungs-/Sorgeberichtigten möglich.
Der Versand der Gewinne erfolgt nur innerhalb Deutschland, Österreich und Schweiz, wobei der Rechtsweg hier ausgeschlossen ist. Für den Postversand wird keinerlei Haftung übernommen.
Eine Barauszahlung der Gewinne ist leider nicht möglich.
Als Teilnehmer erklärt man sich einverstanden, dass die Adresse an die Autorin/ an den Autor oder an den Verlag im Gewinnfall übersendet werden darf und man als Gewinner öffentlich genannt werden darf.
Jede teilnahmeberechtigte Person darf einmal pro Tag an dem Gewinnspiel teilnehmen.
Mehrfachbewerbungen durch verschiedene Vornamen, Nachnamen, Emailadressen oder einem Pseudonym sind unzulässig und werden bei der Auslosung ausgeschlossen.
Das Gewinnspiel wird von buchreisender.de organisiert.
Das Gewinnspiel wird von Facebook nicht unterstützt und steht in keiner Verbindung zu Facebook.
Das Gewinnspiel endet am 14.06.2016 um 23:59 Uhr

www.pdf24.org    Send article as PDF   
%d Bloggern gefällt das: