Buchgeplauder – Lesen in der Bahn – Weshalb ich mir manchmal wie eine Außerirdische vorkomme

Moin meine Lieben,

ich hoffe ihr hattet alle eine nicht allzu stressige Woche und ein entspanntes Wochenende bisher.
Es ist wieder Sonntag und damit Zeit für mein allwöchentliches Buchgeplauder. Dieses Mal geht es um Lesen in der Bahn. Wer meinen Blog aufmerksam verfolgt, wird sicherlich bereits darüber gestolpert sein, dass ich momentan an einer Maßnahme vom Jobcenter teilnehme. Um zum Ort des Geschehens zu kommen, fahre ich mit Bus und Bahn und bin jedes Mal fast 2 Stunden unterwegs. Das ist viel Zeit zum Lesen, auch wenn ich immer mal wieder innehalten muss, um umzusteigen.
Musik hören könnte ich natürlich auch, aber das fand ich schon immer blöd. Vor allem hat mein neues Handy, welches ich mir zulegen musste, weil mein altes den Geist aufgegeben hat nur sehr wenig internen Speicher. Also müsste ich mir erst eine Speicherkarte besorgen, doch vor dem Handy bekommt erstmal mein Tablet eine, damit ich noch mehr tolle eBooks mitnehmen kann.

Ich bin also am Morgen und am Nachmittag jeweils knapp zwei Stunden unterwegs und nutze diese Zeit zum Lesen. Wieso sollte ich mich dann wie eine Außerirdische fühlen?
Ganz einfach. Steigt doch mal in ein öffentliches Verkehrsmittel und schaut euch um. Was seht ihr?

Zombies, die auf ihr Handy starren?

Genau die meine ich. Wenn man sich mal in der Bahn oder dem Bus umschaut, dann wird einem sehr schnell auffallen, dass mindestens 80% der Fahrgäste auf ihr Handy starren, Mails schreiben, telefonieren (was ich besonders ätzend finde), What’s App Nachrichten versenden oder irgendwelche Spiele spielen.
Weitere 10% hören Musik, meist viel zu laut und beobachten oft die anderen Fahrgäste, 8% unterhalten sich mit ihrem Sitznachbarn, bei dem es sich meistens um den Ehemann oder die Ehefrau oder die Kinder handelt und dann sind da noch die magischen 2% die einfach nur dasitzen und lesen.
Früher sind mir viel mehr Menschen begegnet, die in der Bahn gelesen haben und wenn es nur die Zeitung war. Doch seitdem es Handys und Tablets gibt, geht die Zahl der lesenden Fahrgäste stark zurück. Bitte sagt mir, das es bei euch anders ist und ich mich irre.
Meinetwegen sollen sie alle auf ihre Handys starren, aber bitte ohne Ton. Vor ein paar Tagen erst saß eine Gruppe Grundschulkinder in der Bahn und spielten an ihrem Handy, ein Großteil von ihnen hatte den Ton eingeschaltet. Als eine ältere Dame sie darauf ansprach wurden sie frech. Rücksicht scheint ein Fremdwort zu sein… Schade, denn mir hat man das noch beigebracht.
Aber es gibt auch schöne Geschichten. Mir saß eine junge Frau gegenüber und ich fragte sie, was sie den liest, wir kamen ins Gespräch und nicht nur, weil wir gerade dasselbe Buch lasen. Man kommt durch das Lesen in der Bahn also auch noch an nette Gespräche.

Dennoch fühle ich mich manchmal wie eine Außerirdische, wenn ich mit abschätzigen Blicken gemustert werde, weil ich nicht mit einem Handy, sondern einem Buch auf meinem Platz sitze.
Was mich besonders traurig macht ist, wenn man liest und hört wie sich ein paar Bengel darüber lustig machen das man liest. Als ich das erlebte, bin ich fast von meinem nicht vorhandenen Glauben abgefallen. Der eine der beiden hat doch tatsächlich gesagt:

„Schau mal die, die scheint kein Geld für ein Handy zu haben und muss ein langweiliges Buch lesen!“

Benehmen, setzen 6, würde ich da mal sagen. Was haben deren Eltern ihnen beigebracht? Es soll doch jeder machen, was er für richtig hält, solange er niemanden belästigt.
Sind die Handys auf stumm geschaltet und klingeln und pfeifen nicht alle naselang, dann interessiert es mich nicht die Bohne das die Leute wie kranke Zombies darauf starren und nichts mehr mitbekommen. Aber ein bisschen Rücksicht sollte möglich sein.

Nun würde ich gern eure Meinung hören. Stören euch Handynutzer in der Bahn? Und fühlt ihr euch auch manchmal wie eine Außerirdische, weil ihr lieber lest, als mit eurem Handy beschäftigt zu sein?

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14 comments

  1. Sebastian says:

    Im ICE finden sich regelmäßig Mitreisende, die gerne und ausführlich telefonieren. Meist ist es einer im Großraumwagen, der aber so laut telefoniert, dass alle mitbekommen, welches Vorstandsmeeting er demnächst hat oder das der Ex-Freund zwar seine Boxershorts, nicht aber die T-Shirts zurück bekommt. Wollte ich das jetzt wissen?
    Im ICE arbeite ich tatsächlich fast immer, aber im Zubringer oder der S-Bahn nutze ich die Zeit auch zum Lesen. Allerdings im Ebook-Reader auf dem Handy – das ist einfach praktischer und zwischen „in Kürze erreichen wir…“ und dem Öffnen der Tüeren passen meist noch ein oder zwei Seiten.

    • Jean Parker says:

      Lautes Telefonieren ist wirklich ätzend und stört einfach nur. Spiele spielen ist ja kein Problem, das stört niemanden, solange Rücksicht auf die anderen Fahrgäste genommen wird.
      Ich stelle mir gerade meinen Bruder in der Bahn vor, der bewegt sich nämlich mit seinen Spielfiguren und da hätte der Sitznachbar dann ziemlich wenig Platz. Lesen tue ich auch auf dem Tablet, weil es einfach handlicher ist und ich das Buch damit nicht kaputt mache, wenn es schnell in der Tasche verschwinden muss.

  2. Jenny says:

    Mich stören die Handynutzer teilweise doch ziemlich. Besonders wenn man im Ruhewagen(?) im ICE sitzt und dann jemand meint, dass jeder das Telefongespräch mitbekommen muss. Was ich auch immer nervig finde sind Tastentöne 🙁
    Was mich auch stört sind die Jugendlichen mit ihren Handys, die es herumreichen müssen und dann gekünstelt oder lauthals lachen.
    Und ich finds ätzend wenn die Sonne aufs Handy drauf knallt und man quasi immer wieder geblendet wird.

    Ich lese gerne im Zug, nur je nach Verbindung ist es schwer ein „ruhiges“ Plätzchen zu finden. Manchmal fühl ich mich auch fehl am Platz.

    • Jean Parker says:

      Es tut echt gut zu lesen, dass ich mit diesem Problem nicht alleine bin.
      Das Blenden nervt mich auch wahnsinnig, weil ich ohnehin ein bisschen Lichtempfindlich bin und das nicht so gut vertrage.
      Und ein ruhiges Plätzchen zu finden, ist wie du bereits sagtest immer ein kleines Glücksspiel, wobei ich morgens immer Glück habe, da fahre ich lange vor den Schulkindern und dann ist es schon etwas ruhiger in der Bahn.

  3. Sarah von Books on Fire says:

    Hallöchen,
    ich pendle beinahe täglich eine Stunde mit dem Zug nach Hannover und habe so etwas bisher nicht erlebt, dass Menschen mit Buch abschätzig angeschaut werden.
    Ich persönlich lese selbst kaum im Zug, da mich bereits das kleinste Geflüster stört. Daher gehöre ich wohl zu den „Handyzombies“ bzw. „Tabletzombies“, wie du sie nennst. Ich checke meine Mails, schaue, ob es etwas Wichtiges von meinen Dozenten gibt, verwalte meinen Blog oder stöbere bei Facebook nach Nachrichten und interessanten Blogartikeln.

    Ehrlich gesagt, ist es mir egal, was andere im Zug machen, so lange sie sich halbwegs ruhig verhalten. Da kann ich sogar mal ein schnelles Telefonat verkraften, so lange es nicht länger als zwei Minuten ist und dabei lautstark durch den Zug gebrüllt wird.

    Liebe Grüße
    Sarah

    • Jean Parker says:

      Hey 🙂
      Solange man niemanden belästigt kann man alles in der Bahn machen.
      Leise telefonieren und Mails checken oder am Blog arbeiten belästigt auch niemanden. Geht man den anderen nicht auf den Wecker ist alles erlaubt. Viele scheinen aber verlernt zu haben, wie man rücksichtsvoll mit seinen Mitmenschen umgeht und das ist es dann, was mich an diesen Handyzombies stört. Man ist halt nicht alleine und sollte sich dann dementsprechend verhalten.
      Liebe Grüße
      Jean

  4. Anni says:

    Ach ich habe immer ein Buch in meiner Handtasche ganz egal wo ich hingehe. So bin ich immer vorbereitet, wenn ich irgendwo warten muss und mich langweile. Ja man sieht immer weniger Leute mit Buch, aber ich merke, dass der Trend wieder mehr zum Lesen geht. Ich höre es auch von immer mehr Bloggerkolleginen, dass sie wieder öfters zum Buch greifen 🙂
    Also einfach so weiter machen !

    Liebe Grüße Anni von http://hydrogenperoxid.net

  5. Kate says:

    Hallöchen,
    ich kenne das nur zu gut. Ich fahre auch täglich mit den Öffentlichen. Zwar nicht 2 Stunden wie du, sondern jeweils „nur“ 20 Minuten, aber häufig ist das tatsächlich meine einzige Lesezeit am Tag. Und die ist wirklich kostbar!

    Deshalb finde ich es wie du ätzend, wenn jemand in der Bahn telefoniert. Sowas macht man einfach nicht. Schließlich kann ich mich dann nicht richtig auf mein Buch konzentrieren!

    Ich muss dich leider enttäuschen. Denn deine 2% sind noch sehr hoch, wenn ich mich in der Bahn umsehe. Ich kann mich tatsächlich nur an eine Handvoll Menschen so richtig erinnern, die in den Öffentlichen gelesen habe. Meistens bin ich tatsächlich die einzige.

    Ich sehe das wie du. Jeder soll in den Öffentlichen machen, was er will. Aber leise oder zumindest in einer angemessenen Lautstärke. Ich will keine Unterhaltungen vom anderen Ende der Bahn hören. Ich will auch keine Rock/Techno/Elektro/oder was weiß ich für Musik hören und ich will auch keine Telefongespräche mitanhören (oft haben die das Handy so laut, dass du den Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung auch noch hörst). ich will einfach nur in Ruhe lesen. Ich frage mich, wann der Zeitpunkt war, an dem die Leute es okay fanden, in solch einer Lautstärke zu telefonieren oder durch die ganze Bahn zu schreien.

    Abschätzig angeschaut wurde ich deshalb noch nicht. Oder ich habe es einfach nicht mitbekommen. In den meisten Fällen gelingt es mir nämlich ganz gut, in der Bahn ins Buch abzutauchen.

    Du sprichst mir aber definitiv aus der Seele. Denn gerade in letzter Zeit musste ich mich mehrmals darüber aufregen, dass mir meine kostbare Lesezeit in der Bahn zunichte gemacht wurde.

    Ich wünsche dir einen tollen und lesereichen Start in die Woche!
    Liebste Grüße
    Kate ♥

    • Jean Parker says:

      Hey,
      ich wünsche dir ebenfalls einen guten und lesereichen Start in die Woche.
      Was liest du gerade?
      Bei mir gibt es das Buch „Für Happy Ends gibt’s kein Rezept“, die Hälfte habe ich schon und heute Abend werde ich auf jeden Fall noch bis spät in die Nacht lesen, um es zu beenden.
      Liebe Grüße
      Jean

      • Kate says:

        Hallöchen,
        das Buch klingt ja toll. Worum geht’s denn?

        Ich lese gerade „Die Krone der Sterne“. Mein erstes Kai Mayer-Buch. Bin noch nicht sonderlich weit, aber ich bin extrem gespannt 🙂

        Liebste Grüße ♥

        • Jean Parker says:

          Hey,
          es geht um vier Freundinnen, die ein Restaurant leiten. Eine von ihnen hatte bisher nur Pech mit Männern und in der Liebe, als sich nun aber ein bekannter Rockstar in sie verliebt, befürchtet sie, dass alles so kommen wird, wie es bisher immer der Fall war.
          Das Buch hat mir sehr gefallen. Von „Die Krone der Sterne“ habe ich bisher noch nicht viel gehört, aber das Design ist der Wahnsinn.
          Liebe Grüße
          Jean

          • Kate says:

            Hallöchen,
            klingt nach einer tollen Liebesgeschichte 🙂 Ich bin da nur immer sehr vorsichtig. Meistens gefallen mir nur die Liebesromane von Susan E. Phillips 😀

            Also ich muss sagen, dass Science Fiction ja nicht wirklich meins ist und leider auch Kai Meyer mich nicht vom Gegenteil überzeugen kann. Spannend ist das Buch aber trotzdem 🙂

            Liebste Grüße ♥

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