Die Tochter der Drachenbändigerin – Kapitel IV

Das schweißnasse Fell der Tiere funkelte im Schein des Mondes, ein untrügliches Zeichen dafür, dass ich ihnen langsam aber sicher eine Pause gönnen sollte. Wir waren nicht sonderlich schnell unterwegs gewesen, aber die Nacht war warm und die Strecke, die ich gewählt hatte, durfte man nicht unterschätzen.
Ich brachte die Pferde unter einer ausladenden Platane zum Stehen und ließ mich aus dem Sattel gleiten. Augenblicklich begannen die beiden Pferde zu grasen und schienen froh über die Pause zu sein. Als ich so dastand, wurde mir erst klar, wie müde ich selbst war. Ich streckte mich ausgiebig und begann schließlich damit ein Lager zu errichten. Ein Feuer zu entfachen wagte ich nicht, aus Angst man könnte mich entdeckten. Ich glaubte zwar nicht daran, dass mir jemand folgte, dennoch wollte ich auf Nummer sicher gehen. Denn eines wollte ich auf keinen Fall – Ärger.
Nachdem ich die Pferde trocken gerieben und angebunden hatte, machte ich es mir zwischen den Wurzeln des Baumes gemütlich und schloss die Augen. Zu schlafen traute ich mich nicht, dazu war dieses Gebiet nicht sicher genug, doch ein wenig dösen, sollte mir nicht schaden.

Die Sonne kitzelte meine Nase und ließ mich erschrocken hochfahren. Das durfte einfach nicht wahr sein! Ich war eingeschlafen, obwohl mir meine Lehrer beigebracht hatten zu ruhen und nicht in einen tiefen Schlaf zu sinken. Vielleicht hätte ich bei dieser Lektion besser aufpassen sollen.
Langsam erhob ich mich und streckte meine steifen Glieder, als mich etwas innehalten ließ. Auf der anderen Seite der Lichtung brannte ein Feuer. Ich wurde unruhig und stürmte auf die Bäume zu, zwischen denen meine beiden Pferde noch immer standen und friedlich grasten. Es war also jemand hier, doch dieser jemand schien sich nicht an meinen Sachen zu schaffen gemacht zu haben.
„Du bist ziemlich mutig“, sagte eine raue Stimme, die aus dem Nichts zu kommen schien. Ich wandte mich zu ihr um und entdeckte eine Gestalt, die an den Baum gelehnt stand, unter dem ich vor ein paar Minuten noch geschlafen hatte.
„Wer bist du?“, wollte ich wissen und griff instinktiv nach meinem Dolch. Die Gestalt trat aus dem Schatten und hob beschwichtigend die Hände.
„Wenn ich die hätte bestehlen oder töten wollen, hätte ich dies längst getan“, erklärte der Kerl, der nun vor mir stand. Sein kupferfarbenes Haar funkelte in der Sonne und hob sich farblich ziemlich stark von seiner blassen hat und den strahlend grünen Augen ab. Noch nie zuvor hatte ich eine solch blasse Gestalt gesehen.
„Wer bist du und was willst du von mir?“, knurrte ich und zog nun meinen Solch aus der Scheide an meinem Gürtel. Nun blieb er endlich stehen und starrte mich an.
„Mein Name ist Allandrian und die Götter haben mir verraten, dass ich dich hier finden werde“, erklärte er mir uns schaute mir tief in die Augen.
„Ahja, die Götter haben dir also verraten, dass du mich hier unter dieser Platane findest? Und das soll ich dir glauben?“, fauchte ich und machte mit erhobenem Dolch einen Schritt auf ihn zu.
„Mayla, die Götter haben dafür gesorgt, dass du tief und fest schläfst, damit du mich nicht umbringst, bevor ich dir erklären konnte, wer ich bin und was ich von dir will“, sagte er und ich wollte es einfach nicht glauben. Er kannte meinen Namen!
„Fein, du kennst meinen Namen, dass bedeutet aber noch lange nicht, dass ich dir vertraue, geschweige denn dir diese Geschichte mit den Göttern abkaufe!“, brüllte ich lauter, als ich beabsichtigt hatte.
Er verschränkte nun die Arme vor der Brust und schloss die Augen, während er leise zu summen begann. Was tat er da bloß? Ich stand hier und bedrohte ihn mit einem Dolch und er schloss mit aller Seelenruhe die Augen und summte.
Sein Summen wurde immer lauter und ich bekam das Gefühl, dass alles um mich herum zu vibrieren begann. Meine Sicht verschwamm und ich sackte in mir zusammen, während sich in meinem Kopf Bilder formten, die unseren Göttern ähnelten. Als diese dann auch noch zu sprechen begannen, zweifelte ich an meinem Verstand.
„Mayla, mein Kind! Er spricht die Wahrheit, wir schickten ihn, um dich zu beschützen und auf deinem Weg zu begleiten. Du musst deine Mutter finden, sie braucht dich! Wir brauchen dich! Mayla, du musst dich beeilen, sonst wird die Dunkelheit siegen und uns alle vernichten!“
Das war alles zu viel für mich. Ich packte mein Haar und zerrte so stark daran, dass die Schmerzen die Stimmen in meinem Kopf töteten und ich erschöpft in mir zusammen sank. Das durfte nicht wahr sein, meine Mutter war tot! Gestorben in dieser einen Nacht vor fünfzehn Jahren. Ich wollte etwas sagen, doch meine Stimme versagte und ich verlor das Bewusstsein.

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