Der emotionale Wert eines Buches bestimmt immer mehr seinen Preis

Hallo meine Lieben,
was sind Bücher in der heutigen Zeit noch wert? Diese Frage stelle ich mir in der letzten Zeit immer häufiger und ich finde einfach keine zufriedenstellende Antwort.
Immer mehr Autoren sehen sich gezwungen ihre eBooks zu 99 Cent anzubieten, weil ihre Leser nicht bereit sind mehr dafür zu bezahlen. Man muss schon mit Scheuklappen durchs Leben gehen, um diese Entwicklung nicht zu bemerken.
Viele Bücher von Selfpublishern sind zu dauerhaft niedrigen Preisen erhältlich. Lachhafte 99ct sollen die eBooks kosten, um zumindest ein paar Leser anzulocken, denn ein Großteil von ihnen ist nicht bereits mehr dafür zu bezahlen. Eine traurige Entwicklung, die sich nur aufhalten lässt, wenn Autoren sich nicht zum Preisdumping drängen lassen und stattdessen ihre Preis anziehen und auf einem moderaten Level halten.

Mit diesem Beitrag möchte ich versuchen euch für das Thema eBook-Preise sensibilisieren und versuchen euer Bewusstsein dafür zu verändern.
Ich weiß das der Mensch gerne spart, wenn er die Möglichkeit dazu hat, aber wirklich um jeden Preis? Muss man dafür wirklich alles in Kauf nehmen oder kann man auch mal Abstriche machen? Mit diesen und anderen Punkten wird sich dieser Beitrag befassen.

Woraus setzt sich der Preis eines eBooks zusammen?

Um zu verstehen, weshalb ein eBook keine 99ct kosten sollte, müsst ihr wissen, was ein eBook während seiner Entstehung für Kosten verursacht.
Bei einigen Lesern glaube ich manchmal, dass sie sich das Schreiben eines Buches ziemlich einfach vorstellen. Vielleicht glauben sie, dass sich der Autor hinsetzt und das Buch schreibt, wenn er das Wort ENDE ans Ende der Geschichte schreibt, auch wirklich fertig ist. Doch dann beginnt die wirkliche Arbeit erst.

Wie viel Zeit steckt in einem Buch?

Hier kann ich nur von meiner eigenen Arbeit berichten, doch das ist egal, denn es geht darum, euch ein Gefühl für den Aufwand hinter einem Buch zu vermitteln.
Um ein gutes Buch zu schreiben, muss man zu aller erst die Geschichte plotten. Man muss sich Gedanken um den Verlauf, die Handlung, die zeitliche Abfolge, die Figuren, Problemstellungen etc. machen und aus all diesen Punkten den Plot zusammensetzen. Das kostet eine Menge Zeit und Nerven. Bei sehr aufwendigen Romanen, wie im Genre Fantasy, können das gut und gerne 100 Stunden sein die vergehen, bevor überhaupt mit dem Schreiben begonnen werden kann.
Wenn der Plot steht, geht es mit dem Schreiben der Rohfassung weiter. Hier können wir gut und gerne von 300 Stunden und mehr ausgehen. Bei diesem Schritt kommt es auf die Erfahrung des Autors an, aber auch wie gut er geplottet hat und wie viel Zeit er am Tag in sein Manuskript investieren kann.
Nach dem Schreiben kommen mehrere Überarbeitungsschritte, meist sind es drei. Jeder dieser drei Schritte schlägt locker noch einmal mit 100 Stunden zu Buche. Also noch einmal 300 Stunden auf unser Zeitkonto.
Wir wären nun bei gut 700 Stunden, die ins Land gegangen sind, bevor der Leser es bei Amazon und Co kaufen kann. Eine Menge Zeit, aber auch eine Menge Geld wurde bisher investiert. Aber wieso Geld? Das kommt nun im nächsten Punkt.

Wie viel Geld steckt in einem Buch?

Um die Rechnung nachvollziehbar zu machen, gehe ich an dieser Stelle von einem 250 Seiten starken Roman aus. Mit dieser Seitenanzahl werde ich jeden Schritt ausrechnen.

Das Lektorat: 250 Seiten x 7€ pro Seite = 1.750€
Das Korrektorat: 250 Seiten x 5€ pro Seite = 1.250€
Das Cover: ca. 150€

Lektorat + Korrektorat + Cover = 3.150€

Stundenlohn:
700 Stunden x 8,84€ Mindestlohn = 6.188€

Fassen wir das ganze mal in einer Summe zusammen:
Ausgaben (3.150€) + Stundenlohn bisher (6.188€) = 9.338€

Bisher sind dem Autor also Kosten in Höhe von 9.338€ entstanden und noch ist das Buch nicht veröffentlicht.

Wie viele eBooks müssen verkauft werden, damit der Autor anfängt Gewinn zu machen?

In diesem Schritt will ich euch zeigen, wie viele eBooks der Autor verkaufen muss, um diese 9338€ einzunehmen, um damit auf 0 zu kommen. Also auf den Punkt, ab dem er beginnt mit seinen Büchern Geld zu verdienen.

Nettoerlös:

99ct = 0,33€ pro eBook
2,49€ = 0,84€ pro eBook

Bei einem Verkaufspreis von 99ct:
9.338€ / 0,33€ = 28.297 eBooks

Bei einem Verkaufspreis von 2,49€
9.388€ / 0,84€ = 11.117 eBooks

Unterschied zwischen den beiden Verkaufspreisen: 17.180 eBooks

Erkennt ihr den Unterschied? Erkennt ihr, was ein nur unwesentlich höherer eBook-Preis für einen Unterschied in der Anzahl der zu verkaufenden eBooks ausmachen kann?
Bei 2,49€ muss der Autor 17.180 eBooks weniger verkaufen, um auf die magische 0 zu kommen. Und nun stellt euch mal vor, der Autor würde seine eBooks für 3,99€ verkaufen können und pro verkauften Exemplar 1,53€ bekommen? Dann sind es nämlich nur noch 6.153 eBooks, die verkauft werden müssen, bevor der Autor etwas an seinem Buch verdient.

War das schon alles?

Nein, denn nach dem Buch ist vor dem Buch. Wenn das Buch veröffentlicht ist, muss das nächste geschrieben werden und gleichzeitig Werbung für das bereits vorhandene Buch oder die vorhandenen Bücher gemacht werden.
Das Marketing und das neue Buch kosten wieder Geld, deshalb ist es für Autoren auch so schwer von ihrer Arbeit leben zu können. Es kommen immer neue Kosten auf sie zu und kaum etwas kommt rein. Deshalb schreiben viele Autoren auch nur um des Schreibenwillen und nicht, weil sie davon Leben wollen. Denn nur die wenigsten schaffen das und das sind meist die Autoren, die es sich erlauben können 3,99€ und mehr zu verlangen.
Bitte denkt einmal darüber nach. Überlegt wie es wäre, wenn ihr von eurem Arbeitgeber kein, beziehungsweise kaum Geld für eure Arbeit bekommen würdet. Und denkt mal darüber nach, wie viel Geld ihr für andere Dinge ausgebt, ohne euch darüber zu beschweren. Den Kaffee beim Bäcker zum Mitnehmen für knapp 4€ oder eine neue Handyhülle für 12€ und was es nicht alles noch an Kleinigkeiten gibt, für die wir unser Geld ausgeben ohne darüber nachzudenken.
Natürlich ist es euer Geld und ihr könnt damit machen was ihr wollt. Aber bitte drückt nicht die eBook-Preise. Wir Autoren sind auf euch angewiesen.

Warum der emotionale Buchwert sinkt

Eine kurze Erklärung zu dem Begriff emotionaler Buchwert: Ich meine damit, die Wertschätzung des Lesers dem Buch gegenüber.
Wer Bücher liebt, ist bereit ihren Preis zu zahlen. Doch gerade bei den eBooks, gibt es immer wieder Diskussionen, die sich mit dem Thema eBook-Preise beschäftigen. Einige Leser wollen für eine Lizenz keine 3,99€ und mehr ausgeben, weil sie nur eine Nutzungsberechtigung erhalten, das Buch nicht weitergeben oder weiterverkaufen dürfen. Mit solchen Diskussionen sinkt der emotionale Wert der eBooks beim Leser, sie sind ihm weniger wert, als zum Beispiel die Printausgabe.
Damit Autoren, gerade Selfpublisher trotzdem ein paar ihrer eBooks verkaufen können, versuchen sie ihre Preispolitik anhand des emotionalen Wertes zu betreiben. In meinen Augen der falsche Weg, deshalb möchte ich euch bitten, dass ihr euch die obige Rechnung noch einmal ganz genau anseht und überlegt, ob ihr es in Ordnung findet ein Buch zu lesen, aber nicht seinen angedachten Preis zu bezahlen, sondern diesen stattdessen immer weiter zu drücken.

Warum ist es verboten ein eBook weiterzugeben?

Ich glaube, dass viele einfach nicht wissen, wieso es verboten ist, deshalb möchte ich es kurz erklären.
Jeder von euch hat sicherlich schon einmal eine Datei  per Mail verschickt. Was ist dabei passiert? Ihr habt die Datei an die Mail angehängt und an eure Freundin geschickt, war diese Datei nachher noch auf eurem Computer oder war sie verschwunden? Natürlich war sie noch da, außerdem hatte eure Freundin nun ebenfalls diese Datei. Sie besitzt nun eine Kopie eurer Datei, es gibt diese nun also zwei Mal.
Verschickt eure Freundin diese Datei an ihre Mutter, so besitzt nun ihr, eure Freundin und die Mutter eurer Freundin diese Datei. Es gibt sie also drei Mal. Jedes Mal wenn sie weitergeschickt wird, wird eine neue Kopie davon angefertigt.
Und nun münzt diesen Gedanken auf ein eBook um. Ihr habt es gekauft und dafür bezahlt, dann schickt ihr es an eure Freundin und die schickt es an ihre Mutter. Schon haben drei Leute dieses eBook, aber nur einer hat dafür bezahlt. So etwas nennt man Raubkopie und das ist verboten, denn eure Freundin und deren Mutter, hätten das eBook ebenfalls kaufen müssen.
Bei einem Printbuch funktioniert das nicht. Ihr kauft das Buch, lest es und gebt es an eure Freundin weiter. Diese bezahlt dafür zwar nicht, aber ihr habt keine Kopie davon. Es existiert nur dieses eine Buch, nicht drei. Versteht ihr, was ich meine?
Jedes Mal wenn ein eBook verschickt wird, entsteht eine neue Kopie und diese Kopie schädigt den Autor. Also bitte lasst es bleiben und kauft euch das Buch oder das eBook selbst.

Ich hoffe sehr, dass ich mit diesem Beitrag zum Nachdenken anrege und vielleicht bei dem einen oder anderen von euch ein Umdenken stattfindet. Deshalb würde mich interessieren, was für euch persönlich ein angemessener Preis für ein eBook ist.

www.pdf24.org    Send article as PDF   

7 comments

    • Jean Parker says:

      Danke. Es macht mich unglaublich wütend und traurig zugleich, dass die Leser förmlich erwarten, dass wir ihnen unsere Bücher schenken. Viele von ihnen geben Unsummen für Kosmetik, Kleidung, Taschen, Schuhe und Benzin für ihre Autos aus, aber für ein eBook ist kein Geld da.
      Ein Umdenken muss her und deshalb ist es unerlässlich immer wieder auf die Problematik aufmerksam zu machen und denen Lesern zu zeigen, dass man sich die Geschichten die sie über Stunden begeistern nicht mal eben aus den Fingern saugen kann. Vielleicht erreiche ich dies nicht mit diesem Beitrag, aber ich denke, dass es ein Schritt in die richtige Richtung ist.

      • Stella Delaney says:

        Viele Leser wollen gar nicht weiter darüber nachdenken. Dein Rechenbeispiel ist einfach und nachvollziehbar, und führt wieder mal vor Augen, wie kurzsichtig eine solche Denkweise ist.

        Vielleicht müssen es manche Leute nur wieder und wieder hören…

  1. Vanessa says:

    Du hast vollkommen recht, aber es interessiert viele Leser leider nicht. Die meisten haben keine Ahnung, wie viel Zeit und letztendlich auch Geld in den Büchern steckt.
    Es wäre schön, wenn Bücher und Ebooks demnächst mal wieder an Wert gewinnen würden.

    • Jean Parker says:

      Ich hoffe es sogar, denn Bücher haben Wertschätzung verdient.
      Vielleicht bringt es etwas, wenn ich diesen Beitrag großflächig auf Facebook teile und hoffe, dass möglichst viele ihn lesen werden.
      Bekanntlich führen viele kleine Schritte ebenso zum Ziel und sind effektiver, als ein Rundumschlag.

Kommentar verfassen