Gastbeitrag – Fundament eines Buches

»Niemand schreibt eine Rezension für mein Buch«
»Ich habe angefangen zu schreiben, aber irgendwann habe ich den Faden verloren«
»Ich habe eine Schreibblockade…«
»Niemand will mein Buch kaufen, was mache ich nur falsch?«
»Ich sitze nun schon Jahre an meinem Erstlingswerk …«

Erkennst du dich wieder? Es gibt viele Möglichkeiten, wieso dein Buch schlecht ist. Wieso es niemanden interessiert oder niemand eine Bewertung auf Amazon hinterlassen möchte, obwohl es doch sooo toll ist. Es gibt Gründe, wieso Menschen anfangen zu schreiben und dann doch wieder aufhören. Ich weiß, wovon ich spreche, ich habe so viele Sachen aufgegeben. Und ich sage dir. Auch wenn es 1.000.000 Millionen Gründe gibt. Meistens ist nur einer Schuld: dein Konzept.

„Wer den Hafen nicht kennt, in den er segeln will, für den ist kein Wind der richtige.“ – Seneca

Hallo, mein Name ist Sam Feuerstein und ich bin kein guter Autor. Ich bin ein erfolgreicher Autor, aber kein guter. Ich meine das ganz ernst. In der Schule habe ich in Deutschklausuren eine Fünf bekommen. Mit der Begründung: »Schon wieder so ein komischer Satz!« Trotzdem habe ich im Jahr 2015 über eine Viertelmillionen Euro mit eBooks auf Amazon verdient. Denn es gibt eins, was ich wirklich gut kann. Besser als schreiben oder Kommasetzung. Ich bin verdammt gut darin, Menschen zu manipulieren. Auf die gute Art und manchmal auf die schlechte Art.

Manipulation bedeutet, dass man Menschen DAS GIBT, was sie suchen. Und dafür das bekommt, was man selbst will in diesem Fall Anerkennung, Publicity und Geld.

1.  Was hat Manipulation mit dem Schreiben zu tun?

Manche Autoren sitzen mit ihren 34 Katzen in einer 23-Quadratmeter-Wohnung und schreiben Bücher, um sich selbst zu verwirklichen. Ich schreibe, um Geld zu verdienen. Ich möchte, dass meine Bücher gekauft werden.

Um das zu erreichen, befolge ich einen sehr einfachen Plan (der nicht nur beim Schreiben gilt!):

1. Finde heraus, wer deine Leser sind
2. Finde heraus, wo deine Leser sind
3. Finde heraus, was deine Leser wollen
4. Gib es ihnen im Austausch gegen Geld

Ein Konsument bezahlt Geld für etwas, das in seinen Augen in diesem Moment einen höheren WERT hat als das Geld.

Wenn ich ein Buch für 10 Euro kaufe, dann bin ich mit diesem Kauf zufrieden, wenn der Spaß (die Erkenntnis, das Wissen, whatever) in diesem Moment für mich wertvoller sind, als 10 Euro in der Tasche zu haben.

Genau da müssen wir hin und Fehler, die uns in diesem Prozess begegnen, haben ihren Ursprung meistens im Konzept!

1.1 Der Köder muss dem Fisch schmecken

Es kann so einfach sein: Gewinn pro Buch x Anzahl der Verkäufe = $$$ Cash $$$

Wenn du möchtest, dass viele Leute dein Buch kaufen, schreib ein Buch, das viele lesen möchten. Hör auf deine Zielgruppe und lerne deine Zielgruppe kennen.

Vermeide dich an Handlungen oder Protagonisten zu klammern, die außer dir niemand leiden kann. Mache nicht den Fehler, dich um jeden Preis an wahren Begebenheiten zu orientieren. Nur weil etwas tatsächlich passiert ist, ist es deswegen keine gute Story. In den meisten Fällen schreibt das Leben keine guten Geschichten. Es schreibt tolle Erlebnisse, aber eben keine guten Geschichten.

2.  Analysiere deine Zielgruppe

2.1 Schritt 1: In welchem Genre möchte ich veröffentlichen?

Als Erstes überlegst du dir, was du für ein Buch schreiben möchtest. Einen Liebesroman? Ein Sachbuch? Leg dich möglichst klar fest. Das macht es einfacher.

2.2 Wer ist in diesem Genre erfolgreich?

Jetzt guckst du, was für Bücher in diesem Genre angesagt sind. Erkennst du Muster? Was haben all diese Bücher gemeinsam? Schreib es auf!

2.3 Wer liest diese Bücher?

Es wird Zeit deine Zielgruppe ins Auge zu fassen. Schau dir auf Facebook die Likeseiten dieser Bücher an. Was für Menschen hinterlassen hier ein Like? Wie alt sind sie? Wofür interessieren sie sich noch? Schau dich in den Facebook-Gruppen um. Wer postet dort, dass er ein Buch aus diesem Genre gelesen hat?

3.  Zielgruppe finden auf Steroiden

Für diejenigen, die etwas mehr technisches Verständnis mitbringen habe ich ein paar kleine »Growth Hacks«, um die Zielgruppe zu finden. Ich verbinde klassische Suchmaschinenoptimierung mit Facebook Custom Audiences. Das heißt ich erstelle z.B. eine Website, die für meine Zielgruppe relevant ist und gebe ihnen dort einen Facebook Cookie mit.

Angenommen du schreibst ein Backbuch für Hundekekse.

Deine Zielgruppe sind Hundebesitzer, die sich die Mühe machen für ihre Hunde zu backen. Vermutlich, weil das viel gesünder ist als Dosenfutter. Wahrscheinlich barfen sie auch. Voilà. Ich mache also eine Website über BARF und sowas. Mit Hundekeksrezepten. Ich nutze Keywordtools und analysiere die Keywords meiner Konkurrenz, damit ich mehr relevanten Content finde. Mein Ziel ist es, dass Hundebesitzer, die potenzielle Käufer meines Buches sind, auf meine Website kommen. Dort gebe ich ihnen einen Facebook-Cookie, um sie später über Retargeting anzusprechen.

4.  Aus der Manipulationstrickkiste: Werte und Grundannahmen verstehen

Der Hebel um Menschen zu beeinflussen sind Emotionen und Werte. Werte helfen uns, die Welt zu verstehen. Wir schließen von bestimmten Eigenschaften auf andere Eigenschaften. Einem männlichen Protagonisten, der als groß mit breiten Schultern beschrieben wird, haftet automatisch dieser Beschützer-Flair an. Wohingegen das unscheinbare graue Mäuschen gar nicht als »schüchtern« oder »unsicher« beschrieben werden muss, aber bei uns trotzdem diese Assoziation weckt. In der Psychologie spricht man vom Halo-Effekt.

Für dich als Autorin oder Autor ist es wichtig zu verstehen, welche Werte für deine Zielgruppe eine Rolle spielen. Welches Weltbild haben diese Menschen? Robert McKee hatte einst sinngemäß gesagt: »Wenn ich jemandem eine Geschichte erzähle, dann sage ich: ›so ist die Welt‹« ich vermittle also ein Weltbild, deren Fundament gemeinsame Werte sind.

Jeder Mensch besitzt bestimmte Glaubenssätze und Grundannahmen über die Welt, in der wir leben. Bestätigen wir diese Annahmen in einer Geschichte, so findet er die Geschichte ansprechend. Widersprechen wir ihnen, ist er von ihr genervt und findet sie unglaubwürdig. Eine solche Grundannahme kann zum Beispiel sein:

»Geld allein macht nicht glücklich«

Wer mit einem solchen Weltbild lebt, wird von Charles Dickens Weihnachtsgeschichte angesprochen werden. Die Moral dieser Story steht mit seinem Weltbild im Einklang. Auch eine Erzählung über einen Geschäftsmann, der nach einem Herzinfarkt realisiert, was wirklich wichtig für ihn ist und um jeden Preis versucht seine Ehe und das Verhältnis zu seinen Kindern zu retten, könnte gut ankommen. Eine Geschichte über einen spektakulären Banküberfall kommt wahrscheinlich nicht so gut an.

Für dich ist es wichtig, die Grundannahmen und Werte deiner Zielgruppe zu verstehen. Gib ihnen das Weltbild, an das sie glauben!

5.  Das Konzept deines Buches

Mach dir eine Liste damit. Dann teilst du dein Buch ein. In mehrere Szenen. In jeder Szene verändert sich ein Storywert durch einen Konflikt. Diese Werte können Freundschaft, Vertrauen, Liebe etc. sein. Die Konflikte dürfen sowohl innere als auch äußere Konflikte sein.

Angenommen du willst 100.000 Wörter schreiben. Dann nimm dir 40 Szenen á 2.500 Wörter vor. Mach eine Tabelle mit 40 Einträgen. In jeder Szene verändert sich etwas durch einen Konflikt.
Zum Beispiel der Wert »Vertrauen« dann schreibst du in einem Satz auf: »Julia erwisch ihren Freund beim Fremdgehen« Vertrauen: + → –
Dann die nächste Spalte: »Sie sucht die Schuld bei sich selbst« Selbstwert: + → – und so weiter. Und das arbeitest du ab.

Ich will ehrlich zu dir sein. 90% der Arbeit stecken im Konzept. Wenn dein Konzept gut ist, kannst du danach einfach runterschreiben.

6.  Arbeite eng mit deiner Zielgruppe zusammen

Schreib dir ersten 2-3 Kapitel und tausche dich dann mit deiner Zielgruppe aus. Wenn dir jetzt schon Leute sagen, dass das, was du schreibst, Mist ist, starte von vorn. Wichtig ist, dass du Fehler frühzeitig bemerkst. Mach nicht einfach stur weiter, weil du schon eine Richtung eingeschlagen hast. Das Herzstück deines Buches ist die Story.

Rechtschreibung und Zeichensetzung sind wichtig, aber einen Rechtschreibfehler kann man sehr schnell bereinigen. Einen Fehler in der Story nicht! Wenn du einen Fehler in deiner Zielgruppendefinition oder in deiner Idee hast, dann fängst du noch mal komplett von vorne an.

Vielleicht kannst du nicht gut schreiben. Aber deine Leser werden dir deinen ungewöhnlichen Schreibstil leichter verzeihen als eine langweilige und chaotische Geschichte.

»Ich habe angefangen zu schreiben, aber irgendwann kam ich nicht mehr weiter…«

– Hast du dir vorher genaue Gedanken darüber gemacht, was in deinem Buch passieren soll und für wen es ist? »Schreibblockaden« kommen meist dadurch, dass man nicht weiß, was man schreiben soll. Man hat einfach kein klares Bild von seinem Ziel.

»Ich finde niemanden, der eine Rezension für mein Buch schreiben will?«

– Hast du dieses Buch wirklich für eine bestimmte Zielgruppe geschrieben? Hast du etwas geschrieben, was diese Zielgruppe lesen möchte und zu ihr Kontakt aufgenommen? Hast du dir früh genug Feedback von deinen Lesern geholt, um Fehler in der Story bereits im Keim zu ersticken? Wenn du dir bereits am Anfang »Verbündete« suchst, die an der Entstehung deines Buches mitwirken, werden sie froh sein, es rezensieren zu dürfen.

Du siehst, die meisten Fehler, die später auftreten, haben ihren Ursprung am Anfang deiner Reise.

14885798_1178549142237760_1114305595_nSam Feuerstein, 27, lebt abwechselnd in Wien, Hamburg und auf Mallorca. Seit 10 Jahren befasst er sich mit Manipulation und damit, wie man Menschen beeinflusst. Er schreibt selbst unter verschiedenen Pseudonymen und berät Unternehmer und Autoren gleichermaßen darin, wie sie ihre Zielgruppe mit dreckigen psychologischen Tricks erreichen können.

www.samfeuerstein.com

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3 comments

  1. Ines says:

    Ein wirklich guter Beitrag. Ich hab mir Autoren bis jetzt nur so vorgestellt, dass sie sich von ihrem „Schreibfluss“ leiten lassen 😀 Interessant, dass man das ganze auch anders angehen kann!
    Liebe Grüße
    Ines

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