Weshalb ich die Schnauze voll habe

girl-619689 (2)Mir reicht es nicht erst seit gestern, sondern schon eine ganze Weile. Doch auf die Idee mich selbstständig zu machen, bin ich schon vor geraumer Zeit gekommen, doch damals war es eher eine Überlegung und nicht der Drang, den ich heute verspüre.
Mit meinen 23 Jahren bin ich noch sehr jung, dennoch keimt in mir der Wunsch beruflich auf eigenen Beinen zu stehen und zwar als mein eigener Chef und nicht als Angestellte, die stur ihre ihr zugeteilten Aufgaben erledigt, sondern sich ihre Aufgaben selbst aussucht und Ideen umsetzt, so wie sie denkt, dass es richtig ist.
In diesem ersten Beitrag der Artikelreihe Ich hab die Schnauze voll – Ich mach mich selbstständig, möchte ich meinen bisherigen Bildungsweg einmal beschreiben und zwar von Anfang an, bis zum heutigen Tag. Dies tue ich vor allem, um euch zu zeigen, dass man alles erreichen kann, wenn man es sich nur fest vornimmt und niemals aufgibt.

Am 01. August 1999 wurde ich eingeschult. Damals freute ich mich noch riesig auf die Schule und die damit verbundenen Dinge, die ich lernen sollte und hoffentlich würde. Allerdings verflog diese anfängliche Freude als ich merkte, dass ich anscheinend zu blöd war.
Meine damalige Klassenlehrerin hatte ein ziemlich verzerrtes Bild und wusste wahrscheinlich nicht, wie man mit Schülern und Schülerinnen umgehen muss, die etwas langsamer beim Lernen sind. Oder es war ihr schlichtweg egal, dass kann natürlich auch ein Grund dafür sein, dass ich in der letzten Reihe sitzen musste, zusammen mit den anderen Schülern, die nicht mitkamen. Traurig aber wahr… man setzte mich ganz hinten in die Klasse und ich musste alleine zusehen, wie ich klar kam.
In der vierten Klasse waren meine Leistungen dann dementsprechend Hoffnungslos, sodass man von mir nicht mehr viel zu erwarten hatte. Ich hatte den Spaß am Lernen verloren und machte meine Hausaufgaben nur noch widerwillig. Doch dann wendete sich das Blatt und ich bekam eine neue Chance.
Ich bekam die Möglichkeit von der vierten Klasse in die dritte zurückzugehen, mit einer neuen Klassenlehrerin und neuen Klassenkameraden und was soll ich sagen? Ich blühte auf und konnte ziemlich bald die Uhr lesen, was ich bisher nicht konnte. Mir machte das Lernen wieder Spaß und ich schrieb gute Noten. Aus Vieren wurden Dreien, dann Zweien und ich war glücklich. Die ständigen Bauchschmerzen verschwanden und ich stand morgens wieder gern auf. Zu dieser Zeit entdeckte ich auch meine Liebe zu den Büchern, denn nun machte das Lesen auf einmal Spaß und war keine Qual mehr.
In der Sekundarstufe und der Realschule setzte sich dieses Bild weiter fort, die Schule machte mir noch immer Spaß, ich lernte gern und hoffe tief in meinem Inneren, dass ich noch ein wenig Zeit bekäme, um noch länger zur Schule zu gehen. Doch dem war leider nicht so. Zwar hätte ich aufs Gymnasium gehen können, doch ich entschied mich dagegen und begann im August 2010 meine Lehre zur Anlagenmechanikerin für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik mit der Fachrichtung Wärmetechnik.
In der Berufsschule galt ich als Streber, weil ich auf beinahe jede Frage eine Antwort wusste und ich scheinbar ohne stundenlang die Fachbücher wälzen zu müssen, beinahe mühelos durch die Lehrzeit kam und dem war tatsächlich so. Ich brauchte nur selten in die Bücher zu schauen, denn mein Wissen eignete ich mir auf der Arbeit an, stellte Fragen, wenn ich etwas nicht verstand und wusste schon bald mehr als mein Geselle. Es machte mir einfach riesigen Spaß.
Dann wurde ich schwanger und für mich brach eine Welt zusammen, als ich nicht mehr arbeiten durfte. Es wäre einfach zu gefährlich für den kleinen Wurm gewesen. Während der Schwangerschaft durfte ich zwar nicht arbeiten, aber weiterhin die Berufsschule besuchen und auch an der schriftlichen Gesellenprüfung teilnehmen, die ich mit einer Zwei abgab. Ich konnte wirklich stolz auf mich sein, auch wenn der handwerkliche Teil nur eine Vier wurde.
Dennoch war mein Lehrherr, mein Geselle, mein Vater und der Rest meiner Familie unglaublich stolz auf mich. Doch nun kam die Zeit, die mich auf eine harte Probe stellen sollte.
Aufgrund der schlechten Auftragslage und der Größe des Betriebes wurde ich arbeitslos… Ich saß nun mit dem kleinen Wurm zu Hause und wusste nicht, wie es weitergehen sollte. Anfangs war ich noch voller Elan und schrieb Bewerbungen ohne Ende, doch weil ich keinen Führerschein besaß und es auch immer noch nicht tue, bekam ich nur Absagen. Das zehrte an den Nerven und ich gab mich auf.
Nach beinahe zwei Jahren Arbeitslosigkeit und unzähligen Absagen, lernte ich meinen heutigen Freund kennen und fasste neuen Mut. Ich bewarb mich nun nicht mehr auf Stellen meines erlernten Berufes, sondern auf Stellen, die man mit einer ordentlichen Einarbeitung dennoch bewältigen kann.
Doch ich bekam nur Absagen oder überhaupt keine Rückmeldung. In den meisten Absagen war die Begründung, dass ich eine junge Mutter, mit einem sehr jungen Kind bin und dieses Kind ja auch mal Krank werden könnte, oder das Eingewöhnen in den Kindergarten bald anstehen könnte und und und… Niemand gab mir eine Chance und da keimte der Wunsch auf mich selbstständig zu machen.
Ich habe unzählige Ideen, die ich unglaublich gerne umsetzen würde und kann es eigentlich kaum noch erwarten endlich loszulegen. Doch ich möchte es nicht überstürzen und mich so gut es geht vorbereiten, denn für mich steht unglaublich viel auf dem Spiel.
Ich möchte nicht länger vom Staat abhängig sein, sondern endlich anfangen zu leben und zwar zu meinen Bedingungen. Auch wenn eine Selbstständigkeit anstrengend, nervenraubend und zeitintensiv ist, ist es für mich der richtige Weg, denn ich möchte mich nicht länger von irgendwelchen Männern veralbern lassen, die gar nicht wissen, wie das Leben läuft, weil sie auf ihrem behüteten Chefsessel thronen und überhaupt nicht mitbekommen, wie sehr doch der eine oder andere auf diese oder jene Stelle angewiesen ist.

Dies ist mein Werdegang und die Grundlage für die Entscheidung sich selbstständig zu machen und endlich auf eigenen Beinen zu stehen.

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6 comments

  1. modepraline says:

    Ich verstehe Deinen Wunsch, kann Dir aber nur raten: Lass die Finger davon, wenn Du Dich nicht endgültig und überhaupt ruinieren und kaputtmachen willst. Hier in die Deutschland ist das noch schwieriger, als in der Schweiz. Und ich weiss tatsächlich, wovon ich rede. Selbständig sein fängt ja beim Muttersein an. Wenn Du rund um die Uhr 7 Tage die Woche und 52 Wochen im Jahr rund um die Uhr selbständig für Dein Kind sorgen kannst, dann bist Du schon mal auf gutem Weg. Machst Du das? Wenn ja, dann go on – wenn nein, dann vergiss es! Harte Worte, ich weiss – aber so sieht die Wahrheit und das Leben aus!

    • Jean Parker says:

      Ich weiß deinen Rat sehr zu schätzen und mir ist bewusst, dass es nicht einfach ist. Nicht in Deutschland, in der Schweiz, Österreich oder Amerika. Was ist heute überhaupt noch einfach? Egal für welchen Weg man sich entscheidet, man lebt wie ein Hund. Zumindest kenne ich niemandem, dem es so gut geht und der behauptet er könne wirklich existieren und mit wirklich meine ich glücklich sein mit dem was er tut.
      In den letzten Jahren wurde mir ein um das andere Mal vermittelt, dass du in diesem Land nichts wert bist, wenn du ein Kind hast und das kann und will ich einfach nicht mehr hinnehmen. Auch wenn der Weg der Selbstständigkeit hart, beschwerlich und nervenraubend ist. Das ist ein Angestelltenverhältnis mittlerweile auch und ich mag mich nicht ausbeuten lassen, weil mich das Amt regelrecht dazu zwingt jede Stelle anzunehmen.
      Ich möchte glücklich sein und das machen, was Spaß macht. Noch ist es nicht soweit und es gibt im Vorfeld noch einiges zu klären und erst wenn dies alles getan ist, werde ich mich wirklich selbstständig machen.

  2. Alica says:

    Huhu,
    habe deinen Blog gerade durch die Montagsfrage entdeckt. Ich finde es super, dass du das durchziehen möchtest! Es wird definitiv nicht einfach und gerade der Beginn wird sicher schwer. Ich habe auch schon überlegt, ob Selbstständigkeit nicht ein besserer Weg wäre, als als Angestellter vor sich hin zu leben und die Launen des Chefs ertragen zu müssen. Andererseits hat man als Angestellter seine festen Arbeitszeiten und ein festes Gehalt. Als Selbstständiger ist der Tagesablauf nicht so geregelt… Ich werde auf jeden Fall noch ein paar Jahre Angestellte bleiben, bevor ich nochmal näher darüber nachdenke.
    Dir wünsche ich ganz viel Glück! Ich werde deinen Blog weiter verfolgen. 🙂

    Und nochmal eine andere Sache. Ich kenne mich da nicht so aus, aber MUSS man in der Bewerbung angeben, dass man ein Kind hat?

    LG Alica

    • Jean Parker says:

      Hey,
      man muss das Kind leider bei der Bewerbung angeben. Kommt es zu einer Anstellung und der Chef wusste nichts von dem Kind, kann er einen wieder kündigen…
      Als Selbstständige dagegen ist man nicht zwingend auf die Betreuung in Kita und Kindergarten angwiesen und man kann auch arbeiten wenn das Kind krank ist.
      Natürlich bietet eine Festanstellung einige Vorteile, aber die freie Zeiteinteilung und Flexibilität fehlt leider und die kann mit Kind einem echt das Leben erleichtern.

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