Wie finde ich den richtigen Blogger für mein Buch?

diary-968603In den letzten Tagen ging es in einer Selfpublishing-Gruppe auf Facebook hoch her, denn einige Autoren redeten schlecht über Blogger. Sie beschuldigten sie, nur einen Blog zu haben, um an kostenlose Bücher zu kommen und diese nicht zu rezensieren.
Ich bin ehrlich, ich finde solche Aussagen mehr als frech, auch wenn sie mich nicht betreffen. Natürlich komme ich nicht immer dazu ein Buch zeitnah zu lesen, doch man kann sich darauf verlassen, dass eine Rezension kommt. Auf Anfragen reagiere ich zeitnah und versuche beiden Seiten gerecht zu werden.
Das es Blogger gibt, die nicht so arbeiten ist kein Geheimnis, genauso wie es kein Geheimnis ist, dass nicht jeder Autor schreiben kann, der das von sich glaubt. Es gibt solche und solche, doch alle Blogger über einen Kamm zu scheren, weil man mit dem einen oder anderen einen Griff ins Klo getätigt hat, finde ich frech, wenn nicht sogar dreist. Deshalb schreibe ich nun diesen Artikel, denn ich habe keine Lust mehr, ständig verurteilt zu werden, nur weil ich einen Blog betreibe.

Wie finde ich den richtigen Blogger für mein Buch?

Das ist die Frage, die sich jeder Autor stellen sollte, der ernsthaft daran interessiert ist, mit einem Blogger zusammenzuarbeiten. Denn nicht jeder Blog passt zu jedem Buch, sowie rechte Schuhe nicht an linke Füße passen. Doch wie finde ich denn nun den richtigen Blog, für mein Buch?
Eigentlich ist das ganz einfach, erfordert allerdings ein wenig Zeit und Arbeit, doch diese Investitionen können sich lohnen, denn ein guter Blog kann ein Buch über kurz oder lang voranbringen, auch wenn dieser Effekt nicht sofort sichtbar und/oder spürbar ist.

1. Schaue dir dein eigenes Buch kritisch an
Der erste Schritt, um den passenden Blog für das eigene Buch zu finden ist, das eigene Buch gut zu kennen und es selbstkritisch zu beäugen. Und folgende Fragen zu beantworten:
– Ist es reif für den Buchmarkt?
– Hat es ein Lektorat und Korrektorat genossen oder ist anderweitig kontrolliert worden?
– Wer ist meine Zielgruppe?
– Wen möchte ich mit diesem Buch erreichen?
– In welches Genre ist mein Buch einzuordnen?
– Für welche Altersgruppe ist es gedacht?
– Wieso hast du dieses Buch geschrieben?
Notiere dir deine Antworten, denn du wirst sie noch brauchen. Du solltest dein Buch als Autor besser kennen, als jeder andere.

2. Definiere deine Ziele
Nimm dir ein Blatt Papier und schreib auf, was du dir von den Bloggern erhoffst. Was soll dir die Zusammenarbeit bringen? Welches Ziel verfolgst du mit einer Zusammenarbeit? Wieso möchtest du mit einem oder mehreren Bloggern zusammenarbeiten?
Wenn dir nicht klar ist, was du erreichen möchtest, bringt es nichts sich auf die Suche nach einem Blogger und dessen Blog zu machen, denn so wirst du nie den richtigen für dich und dein Buch finden.

3. Was soll der Blog bieten?
In diesem Schritt machst du dir Gedanken darüber, was der Blog bieten soll. Vielleicht hast du ein genaues Bild davon, wie die Rezensionen aussehen sollen oder wie sich der Blogger ausdrücken soll, dann hast du nun deine Aufgabe sicherlich schon erfasst. Schreib auf, welche Kriterien der oder die Blogs erfüllen sollen, damit du mit ihnen zusammenarbeiten möchtest. Dieser Schritt ist für die kommenden unerlässlich.

4. Schreibe eine Bloglist
Endlich wird es etwas konkreter, denn nun sollst du dir Blogs suchen, mit denen du zusammenarbeiten wollen würdest. Es geht erst einmal nur darum, Blogs zu sammeln, alles weitere kommt im nächsten Schritt.
20-30 Blogs sind ein guter Ansatz, denn aus ihnen wirst du am Ende den oder die Blogs für eine Zusammenarbeit auswählen.

5. Sondiere die Blogs
Hierfür nimmst du nun deine Aufstellung aus der dritten Phase in die Hand und schaust dir die Blogs von deiner Liste einmal genau an und teile sie in folgende Kategorien auf:
– Erfüllt alle Kriterien
– Erfüllt die wichtigsten Kriterien
– Erfüllt keine der geforderten Kriterien
Nachdem du sie nun so aufgeteilt hast, weißt du welche Blogs für dich und dein Buch in Frage kommen. Mit diesen musst du dich nun in Phase 6 beschäftigen.

6. Die ausgewählten Blogs besser kennenlernen
Du hast nun deine Auswahl getroffen und weißt, mit welchen du zusammenarbeiten möchtest? Super, dann widmen wir uns den nächsten Schritt, nämlich dem kennenlernen.
Schau dir den oder die Blogs noch einmal genau an, finde heraus, wer da bloggt, ist es ein Blogger oder vielleicht sogar mehrere? Wie trete ich mit ihm in Kontakt und nimmt er momentan überhaupt Rezensionsexemplare an? Das sind Fragen, die es nun zu klären gilt, noch bevor du dem Blogger eine Mail schreibst. In den meisten Fällen findest du auf dem Blog ein Vermerk, ob Rezensionsexemplare angenommen werden oder nicht.

7. In Kontakt treten
Du weißt wer dein Ansprechpartner ist, kennst deine Ziele und vor allem dein Buch? Dann kannst du nun mit dem Blogger in Kontakt treten. Schreib ihm eine nette Mail – hier was du tun darfst und was du besser bleiben lässt:
Sei immer freundlich, auch wenn der Blogger nicht sofort antwortet oder dein Buch nicht annehmen möchte. Denk immer dran, du willst etwas von ihm und nicht umgekehrt. Schreibe eine persönliche Nachricht und keine Rundmail. Blogger hassen es, wenn noch zig andere Adressen in der Adresszeile stehen und sie nicht persönlich angesprochen werden, denn es ist einfach unhöflich. Erzähl ihm von deinen Anliegen ohne zu prahlen, dass du ein Buch geschrieben hast, welches der nächste Bestseller sein wird.

8. Nun heißt es geduldig sein
Wenn ihr euch einig geworden seid, heiße es, sich in Geduld zu üben. Denk bitte immer daran, dass Blogger ihre Blogs in ihrer Freizeit betreiben und nicht hauptberuflich. Sie lesen dein Buch in ihrer Freizeit und haben dementsprechend nicht immer sofort Zeit, es kann also immer mal etwas dazwischen kommen, was dazu führt, dass sich das Schreiben der Rezension verzögert.
Solltet ihr einen Zeitrahmen festgelegt haben, kannst du nach dessen Ablauf und nach dem verstreichen eines angemessenen Zeitraums einmal freundlich nachfragen, ob der Blogger dein Buch schon gelesen hat oder ob ihm vielleicht etwas dazwischen gekommen ist. Hat er es vergessen, heißt es freundlich bleiben und höfflich nachfragen, wann er dazu kommt. Wer unhöflich ist, wird sehr schnell sehr schlechte Karten haben, denn Blogger sind untereinander vernetzt und es spricht sich rum, wenn ein Autor einen Blogger doof von der Seite anmacht.

9. Die Rezension ist da
Nun hast du dein Ziel erreicht. Der Blogger hat dein Buch gelesen, es rezensiert und auf seinem Blog und seinen Social-Media-Kanälen besprochen. Dennoch solltest du deine Hände nicht in den Schoß legen, sondern in den Kommentaren mit seinen Lesern in Kontakt treten, antworte auf aufkommende Fragen, teile den Beitrag auf deiner Fanseite und empfehle den Blogger unter deinen Kollegen weiter.

Trotz allem solltest du immer daran denken, dass Blogger keine Bestseller machen. Sie können gut für ein Buch sein, ihm zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen, es zerreißen, in den Himmel loben und es ihren Lesern empfehlen, aber sie machen keine Beststeller. Behalte das immer im Kopf.

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9 comments

  1. Andrea says:

    Autoren sollten immer berücksichtigen, dass sie keine bessere Werbung bekommen können als über einen Blog. Dass es schwarze Schafe unter den Bloggern gibt, ist traurig, aber auch in anderen Bereichen (leider) völlig normal. Was man gerade im Beauty-Bereich teilweise zu lesen bekommt, ist eine Schande. 🙁
    Ein besseres Auswahlverfahren ist das beste Mittel gegen schwarze Schafe. Generell alle Blogger zu verdammen, ist Unsinn. Wir leben heute in einer digitalen Welt, das müssen auch die Autoren begreifen.
    Liebe Grüße!

    • Jean Parker says:

      Da gebe ich dir vollkommen Recht. Die Digitalisierung öffnet Tür und Tor für alle, die nicht wirklich feine Absichten haben, aber das bedeutet noch lange nicht, dass alle so sind.
      Ich kenne beide Seiten und werde sobald mein Buch fertig ist, viel mit anderen Bloggern zusammenarbeiten, weil ich weiß, wie viel es bringen kann, wenn man sich im Vorfeld die Mühe der Vorauswahl macht.
      Niemand hat gesagt, dass Marketing leicht ist, aber man kann es sich so leicht wie möglich machen, doch das verstehen die meisten Autoren nicht. Keine Ahnung, wieso.

  2. Yasemin says:

    Danke für den Beitrag!

    Oft erlebt, dass ich Anfragen für Bücher zum Thema Spritualität oder Romanen bekomme, obwohl offensichtlich sein sollte, dass das nichts mit meinem Thema Philosophie und SachBücher zu tun hat.

    Wie gehst du eigentlich damit um, wenn du ein Buch erhältst, was vielversprechend klingt und total enttäuschend ist. Darf ich als neuer Blogger auch Bücher zerreißen? Darf ich es wirklich? Hab eher das Gefühl, dass ich es mir verscherze, wenn ich ehrlich kritisch bin und nicht nur Lobhudele.

    Yasemin

    • Jean Parker says:

      Anfragen zu Genres, die nicht passen, habe ich auch schon sehr oft bekommen. Ich lehne dann immer freundlich ab und begründe kurz damit, dass ich mit diesen Genres nichts anfangen kann und sie deshalb nicht lese.
      Wenn ich ein Buch erhalten habe, welches mehr als vielversprechend klang, sein Versprechen aber nicht halten kann, denn breche ich ab und informiere den Autor. Ich sage ihm oder ihr dann klipp und klar, dass sein Buch nichts ist, ich es abgebrochen habe und nicht rezensieren werde und er es vielleicht in Betracht ziehen sollte es noch einmal zu überarbeiten. In der Mail rezensiere ich das Gelesene für den Autor und er kann daraus machen, was er möchte.
      Wenn ich es irgendwie schaffe mich durch ein Buch zu quälen, dann zerreiße ich es, dabei ist es mir mittlerweile egal, ob mein Blog noch frisch ist. War früher nicht so, da hatte ich immer Schiss davor, dass man ein schlechtes Bild von mir bekommen würde. Aber ich bin der Meinung, dass sachliche Kritik immer angebracht ist und nicht verschwiegen werden sollte und Autoren, die damit nicht klar kommen, sollten ohnehin nicht schreiben, denn kritisiert werden gehört zum Berufsbild.

  3. Kathi Keinstein says:

    Ein spannender Beitrag für alle Autoren und solche, die es werden wollen! Besonders der erste Schritt liest sich wie ein Ausschnitt aus dem Autorenfragebogen des Verlags, mit welchem ich gerade anbandele (denn ich gehöre zu jenen, die Autoren werden wollen).

    Mit Verlag erübrigen sich dabei die Fragen nach Lektorat und Marktreife – dafür kommen dort noch einige detaillierte Fragen dazu…

    Aber ob nun in Zusammenarbeit mit einem Verlag oder beim Selfpublishing in „Handarbeit“: Der Kern von erfolgreicher Zusammenarbeit ist doch immer:

    1. Wissen, was (und wen) man will
    2. Sagen, was man will
    3. Bekommen, was man will (wenn denn eine Zusammenarbeit zustande kommt)

    Und als Bloggerin, die selbst schonmal rezensiert hat, hoffe ich, das – wenn es eines Tages soweit ist – auch gut hinzubekommen. Besonders, wenn ich deinen Artikel im Gedächtnis behalte :).

    • Jean Parker says:

      Stimmt, nur leider lassen viele ihren Frust und ihre schlechten Erfahrungen an anderen aus, die nichts dafür können.
      Finde ich eigentlich schade, denn mit so einem Verhalten macht man sich nicht wirklich Freunde fürs Leben.

  4. Katy says:

    Hallo Jean,
    vielen Dank für deinen Artikel. Ich finde ihn gelungen, weil du das Thema sehr ausführlich beschrieben hast.
    Auch ich bin eine Autorin, die schon auf der Suche nach Buchbloggern war. Ich kann bestätigen, dass diese Arbeit nicht nur zeitaufwendig ist, sondern sich auf jeden Fall lohnt. Leider habe ich noch keine Blogger gefunden, die regelmäßig meine Bücher rezensieren. Wer aber Interesse hat, der darf sich gerne unter folgendem Link http://www.katy-buchholz.de/rezensenten-team bei mir melden.
    Liebe Grüße
    Katy

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